Hallo,
die Schweiz hätte ein Vorreiter in Sachen Tierschutz sein können, aber leider ...
Im Tierschutz gibt es ein Paradoxum. Im Gesetzestext steht, dass ein Tier nicht gequält werden darf, in der Realität kann ein Tier sich aber, wenn es gequält wurde, keinen Anwalt nehmen. Die Rechte auf dem Papier sind somit kaum durchsetzbar.
In Deutschland z. B. können Privatpersonen überhaupt nicht gegen die Tierquälerei anderer vorgehen. Sie könnten nur gegen die Handlungen von Tierquälern vorgehen, wenn durch die Tat eine Verletzung ihrer Vermögensrechte eingetreten ist, z. B. wenn ein Fremder den eigenen Schäferhund, den ich für 250 Euro gekauft habe, vergiftet. Dann wäre der Streitwert vor dem Zivilgericht 250 Euro. Zivilrecht hat nichts mit Strafrecht zu tun. Ein Schuldspruch vor dem Zivilgericht bedeutet nicht, dass der Täter strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird.
Sehe ich dagegen, wie der Hund des Nachbarn von diesem tot geschlagen wird, habe ich keine Möglichkeit, dem Tier rechtlich beizustehen.
Ich habe nur die Möglichkeit, die Polizei zu informieren. Diese gibt entsprechende Fälle nicht immer an den Amtsveterinär ab. Oft werden derartige Fälle dann nur vom Ordnungsamt bearbeitet, dessen Mitarbeiter keine entsprechende Ausbildung haben und dann nach eigener "Einstellung und Gefühl" entscheiden. Erfolgt doch eine Abgabe an den Amtsveterinär, ist die Aussicht auf Weiterverfolgung des Falles trotzdem gering, da es in der Regel nur einen einzigen Amtsveterinär für einen ganzen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt gibt, der zudem häufig wenig Interesse an der vielen Arbeit hat, die mit gequälten Tieren zusammen hängt.
So wie ich viele Kommentare verstehe, die zu der betreffenden Nachricht im Internet geschrieben wurden, meinten viele Schweizer mit ihrem Nein (immerhin 70 %), dass sie nicht noch mehr Tierrechte wollen. Sie hatten gar nicht verstanden, dass es nicht um mehr Tierrechte ging, sondern darum, die auf dem Papier bereits bestehenden Tierrechte durchsetzbar zu machen.
Außerdem findet man häufig egalisierende Äußerungen, nach dem Motto: "Kinder werden doch auch gequält und die schützt schließlich auch keiner." Nur was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nur weil es irgendwo auf der Welt anderes Unrecht gibt, heißt das doch nicht, dass das Unrecht an Tieren weniger schützenswert ist.
Was nutzt ein Tierschutzgesetz, das in der Praxis so gut wie nicht beachtet wird? Tierschutzgesetze können keine Tierquälerei verhindern, wenn sie nicht umsetzbar sind. Da bleibt wohl nur die Feststellung, dass unsere Tierschutzgesetze lediglich dem schönen Schein dienen. Was haben wir nicht alles für schöne Regeln für die Tierhaltung aufs Papier geschrieben bla bla bla ... tatsächlich wollen die Meisten aber weiterhin ihre Tiere ungestraft so halten können, wie es ihnen am besten gefällt, auch wenn dem Tier dadurch erhebliches Leid zugefügt wird.
Ein Tierschutzrecht macht ohne spezialisierte Anwälte oder ein Verbandsklagerecht keinen Sinn.
Traurige GrĂĽĂźe
Kirstin

