Das Verdauungssystem von Meerschweinchen weist einige Besonderheiten auf, denen bei ihrer Ernährung Rechnung getragen werden sollte:
Meerschweinchen besitzen einen Stopfdarm. Dies bedeutet, dass der Darm das Futter nicht mit Hilfe von Muskeln aktiv weitertransportiert, sondern das Futter durch nachfolgende Nahrung im Darm weitergeschoben wird. Daher ist es wichtig, den Tieren ständig geeignete Nahrung zur Verfügung zu stellen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden. Desweiteren können Meerschweinchen, wie wir Menschen übrigens auch, das benötigte Vitamin C nicht selbst bilden. Zu wenig Vitamin C kann Meerschweinchen krank machen. Durch den Mangel können Zahnfleischentzündungen begünstigt werden, Zähne können locker werden, Hautausschläge können auftreten, Haarausfall kann entstehen, Knochen werden porös und können brechen und Wunden können nicht gut heilen. Vitamin C muss deshalb durch die Nahrung zugeführt werden.
Die Zähne der Meerschweinchen wachsen ständig nach. Durch das Benagen und Zerkleinern ihrer Nahrung nutzen die Tiere sie ab. Geeignetes Material muss ständig vorhanden sein, um besonders der gefährliche Brückenbildung der hinteren Backenzähne entgegen zu wirken.
Empfehlungen für eine gesunde Meerschweinchenernährung werden in Folgenden gegeben.
Heu ist das Hauptnahrungsmittel unserer Meerschweinchen. Sie fressen es den ganzen Tag über in vielen kleinen Portionen. Es sollte ihnen immer reichlich und in guter Qualität zur Verfügung stehen. Frisches Heu erkennt man an der grünen Farbe und an frischem Geruch. Achten Sie unbedingt auch darauf, dass das Heu, dass Sie verfüttern, komplett trocken ist. Feuchtes Heu kann im Darm der Tiere zu gären beginnen und lebensgefährliche Verdauungsbeschwerden verursachen!
Frischfutter steht bei der gesunden Meerschweinchenernährung gleich an zweiter Stelle. Dieses sollte mehrmals am Tag gereicht werden, um den Ernährungsgewohnheiten und dem Verdauungssystem der Tiere zu entsprechen. Frischfutter besteht aus Grünfutter (Gras, Löwenzahn, Maisblätter etc.), Gemüse sowie einem geringen Anteil Obst.
Bitte achten Sie bei der Verfütterung von Grünfutter auf möglichst ungespritztes Gras etc., das nicht an stark befahrenen Straßen oder entlang beliebter Gassi-Routen von Hundebesitzern wachsen sollte. Das Grünfutter sollte nicht mehr feucht sein, dies führt sonst schnell zu Blähungen und Aufgasungen der Tiere. Gegebenenfalls vor der Fütterung gut ablagern.
Gemüse sollte ungespritzt bzw. gründlich abgewaschen verfüttert werden. Folgende Gemüsesorten sind zur Verfütterung geeignet: Fenchel (mit Grün, wenn ungespritzt), Gurke, Paprika, Möhre (mit Grün, wenn ungespritzt), Topinambur, Chicoree, Eisbergsalat, Feldsalat, Endiviensalat, Tomate (in geringen Mengen), Rote Beete, Sellerie. Achten Sie darauf, sehr wasserhaltige Gemüse (zum Beispiel Gurke) nur in geringen Mengen zu verfüttern, um Durchfall und Blähungen zu vermeiden. Salate sind häufig sehr nitratbelastet. Aus diesem Grund sollten Sie auch Salate nicht ständig anbieten sowie vorsichtshalber den Strunk entfernen. Wurzelgemüse sind gute Energielieferanten und daher das Gemüse der Wahl bei untergewichtigen bzw. schwächeren Tieren. Bei übergewichtigen Tieren sollten Sie die Gabe etwas einschränken. Einige Meerschweinchenhalter verfüttern auch Kohlrabi, Brokkoli oder Blumenkohl. Da Kohl stärk blähend wirkt, sollten Sie auf die Gabe dieser Gemüsesorten entweder ganz verzichten oder nur in ganz geringen Mengen und selten füttern.
Giftig sind rohe Bohnen und Keime der Kartoffel und die grünen Stellen an Kartoffeln. Auf die Gabe von Kartoffeln sollte gänzlich verzichtet werden.
Obst wie Äpfel, Weintrauben, Bananen, Melone oder Erdbeeren sollten aufgrund des hohen Fruchtzuckergehalts nur selten und als Leckerchen gegeben werden, auf die Gabe von stark säurehaltigen Früchten (Zitrusfrüchten) sowie Steinobst sollte lieber ganz verzichtet werden.
Durch die Einschränkungen könnte beim Lesen der Eindruck entstehen, man könnte kaum ein Frischfutter guten Gewissens an seine Meerschweinchen verfüttern. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Die Mischung macht’s. Füttern Sie ihre Tiere ausgewogen und abwechslungsreich und bieten Sie ihnen viele Gelegenheiten und Anreize, sich zu bewegen, so sorgen Sie für eine gesunde Ernährung und Abwechslung im Alltag ihrer Tiere
.Zweige dienen dem Zahnabrieb und der Beschäftigung der Tiere. Frische bzw. im Winter getrocknete Zweige von Obstbäumen (keine Steinobstbäume), Rottanne, Fichte, Haselnuss, Ahorn, Birke oder Buchenzweige sind dafür geeignet. Die Äste können mit Blättern verfüttert werden. Niemals Äste von gespritzten Bäumen oder gefrorene Äste verfüttern! Tannen- und Fichtenzweige sollten nur getrocknet oder genügend abgelagert verfüttert werden sowie harzige Stellen vorher entfernt werden, da das darin enthaltene Öl für Meerschweinchen gesundheitsschädlich sein kann. Durch die Lagerung kann das Öl ausdünsten und stellt keine Gefährdung mehr da.
Bitte verzichten Sie darauf, getrocknetes Brot zu verfüttern. Dieses enthält viele Gewürze, Hefen etc. die nicht für eine gesunde Ernährung von Meerschweinchen geeignet sind. Unsichtbare Schimmelsporen können die Tiere krank machen. Der Nutzen für den Zahnabrieb ist außerdem umstritten.
Kräuter wie zum Beispiel getrocknete Brennessel, frische oder getrocknete Gänseblümchen, Melisse, Basilikum, Dill (lindert Blähungen!), Himbeerblätter und Petersilie sind ebenfalls sehr beliebt und dienen der Nahrungsergänzung. Petersilie ist ein guter Vitamin C-Lieferant, sollte allerdings nur in geringen Mengen bzw. gelegentlich verfüttert werden, da sie einen hohen Anteil Oxalsäure enthält, welche harntreibend wirkt.
Trinkwasser sollte jeden Tag frisch zur Verfügung stehen. Bei vermehrter Frischfuttergabe trinkt zwar das Meerschweinchen oft nicht sehr viel, aber im Angebot sollte es immer sein, um eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu gewährleisten.
Trockenfutter ist für Meerschweinchen eher schädlich als nützlich.
Trockenfutter ist sehr energiereich. Es macht schnell satt, was dazu führen kann, dass die Tiere weniger Heu und Gemüse bzw. Grünfutter fressen, wodurch eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung nicht mehr gewährleistet ist. Dadurch, dass das Trockenfutter schnell satt macht und außerdem im Napf bequem zu finden ist, bewegen sich die Meerschweinchen außerdem weniger und haben so weniger Abwechslung.
Gesunde erwachsene Meerschweinchen können deshalb sehr gut darauf verzichten. Einzig als Energielieferant im Winter für Tiere in Außenhaltung bzw. in der Zucht kann hochwertiges (!) Trockenfutter unter Umständen ein geeignetes Mittel sein.
Auf Knabberstangen, Drops und Co, die im Zoofachhandel in großer Auswahl angeboten werden, sollten Sie den Tieren zuliebe auch verzichten. Sie enthalten Honig, Zucker und häufig Milchprodukte, die die Darmflora eines Meerschweinchens durcheinander bringen bzw. sehr schwer verdaulich sind, und sind außerdem wahre Kalorienbomben.
Wer seinen Tieren das Trockenfutter abgewöhnen oder mehr Abwechslung im Nahrungsangebot bieten will, kann Gemüse in kleine Scheiben oder Stücke schneiden und trocknen (Heizung oder Umluftofen) und dieses verfüttern, vielleicht erst mit dem gekauften Trockenfutter gemischt, wobei der Anteil des gekauften Futters nach und nach verringert wird. Zum Trocknen eignen sich vor allem Möhren, Fenchel, Kohlrabi, Paprika, Äpfel, Hagebutten sowie alle weiteren für Meerschweinchen bekömmlichen Gemüse- und Obstsorten, die nicht zu wasserhaltig sind (siehe Futterliste).
Das lebensnotwendige Vitamin C erhalten Ihre Tiere durch die Fütterung von Vitamin C-reichen Gemüse- und Obstsorten sowie Kräutern wie Roter Paprika, Fenchel, Möhre, Sellerie, Tomate, Petersilie, Hagebutten und Brennnessel. Gras enthält ebenfalls viel Vitamin C. Vitaminzugaben ist nicht unbedingt notwendig, vor allem bei gesunden Tieren kann dies eher schädlich sein und zum Beispiel zu Blasen- oder Nierensteinen führen. Eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung sollte genügen.
Erwägen Sie dennoch in einem speziellen Fall eine Zugabe von Vitamin C, weil Sie zum Beispiel befürchten, einem erkrankten Tier im Winter das nun besonders notwendige Vitamin nicht in ausreichender Menge zuführen zu können, bedenken Sie, das Vitamin C „lichtempfindlich“ ist, das heißt, sich im Trinkwasser bei Sonnenlicht schnell abbaut. Bei der Zugabe zum Trinkwasser können Sie außerdem nur schwer kontrollieren, ob es das betreffende Tier auch zu sich nimmt. In einem solchen Fall empfehlen wir daher, eher auf Ascorbinsäurepräperate in Pulverform zurück zu greifen. Eine geringe Menge Pulver können Sie zum Beispiel auf einer Scheibe Gurke verfüttern. Das Pulver bekommen Sie in jeder Apotheke.
Generell gilt für jede Futterumstellung, sei es das Absetzen von Trockenfutter, die Umstellung auf Grünfutter im Frühjahr oder die Einführung einer neuen Gemüsesorte: Immer erst langsam und mit geringen Mengen beginnen. Auch solches Futter, das die Meerschweinchen nicht gewöhnt sind und vielleicht nicht vertragen, bleibt aufgrund der Beschaffenheit des Verdauungstraktes (s. o.) mehrere Tage im Darm und könnte zu Fehlgärungen, Blähungen oder Koliken führen. Um dies zu vermeiden, haben Sie Geduld und Sie und ihre Tiere werden um so mehr Freude an der verbesserten bzw. abwechslungsreicheren Ernährung haben
.In diesem Artikel wurden Beiträge von MiZschie, Sandra und Morrigu aus dem Nagereck verarbeitet.
Wir möchten darauf hinweisen, dass es auch zum Thema "Ernährung von Meerschweinchen" ständig neue Erkenntnisse gibt. Sollten Sie feststellen, dass dieser Artikel veraltete oder Fehlinformationen enthält, bitten wir um Benachrichtigung. Vielen Dank.
Weiterführende Informationen finden Sie unter folgendem Link:
www.fraumeier.org unter der Rubrik "Speis und Trank".


